Dokumentarfotograf Ruben Timman erzählt, wie das Museum der Menschheit entstand.

Der Traum
"Im Jahr 2001 war ich für eine Reportage in Vietnam. Während dieser Reise hatte ich eines Nachts einen Traum: Ich besuchte das „Museum der Menschheit“ und ließ mich von Kofi Annan durch die Ausstellung führen. Während des Rundgangs stellte ich schockiert fest, dass das Museum zerfällt. Die Vitrinen waren mit Staub bedeckt, ihr Glas zerbrochen, es war schmutzig und dunkel. Ich war darüber empört, dass der Zustand niemanden kümmerte.

Menschen sind Meisterwerke
„Siehst du, wie verfallen und dunkel die Welt sein kann?“ Als ich aufwachte schien es mir als hätte Gott das zu mir gesagt. Der Traum ließ mich nicht mehr los und in mir wuchs der Wunsch, durch Fotos die Schönheit und Würde der Menschheit in dieser zerstörten Welt zu zeigen. Mit diesem Wunsch in meinem Herzen und meiner Kamera in der Hand ging ich hinaus und mein Traum wurde zu etwas Konkretem: dem „Projekt Menschheit“.

Seit 2004 fotografierte ich weltweit Tausende Menschen. Immer auf die gleiche Weise: direkt von vorne, mit neutralem Gesichtsausdruck und so pur wie möglich. Und vor allem: würdig. Wann dieses Projekt abgeschlossen sein wird, weiß ich nicht. Aber ich weiß: Ich möchte diese Bilder mit einem großen Publikum teilen, um die Menschen über Schönheit und Vielfalt der Menschheit nachdenken zu lassen. Ein echtes Museum der Menschheit für einige der Porträts ist nun in Zaandam (Niederlande) entstanden. Das Museum ist ein Ort, an dem sich Kunst, Kultur und Gesprächsrunden zu sozialen Fragen treffen. Ein Museum, in dem Würde, Hoffnung und Schönheit zusammenkommen.


Das ist „mein“ Museum!
Das reale Museum entstand, als ich zufällig das Gebäude aus meinem Traum in Zaandam fand. Als ich das zerfallene Haus zum ersten Mal heimlich betrat, bekam ich Gänsehaut: Es war das "Museum der Menschheit" aus meinem Traum von 2001! Jener Traum, in dem Kofi Annan mich führte. Alles schien zum Leben zu erwachen. Die Übereinstimmungen waren überwältigend: die Dunkelheit, der Zerfall, überall zerbrochenes Glas, Schutt und Staub. Was fehlte, waren die Meisterwerke. 

Abgesehen vom Zustand des Gebäudes gab es noch mehr Gemeinsamkeiten. Die Größe und die Wege waren gleich. Der stattliche Eingang führte zur Kasse, wo das Ticket gekauft hätte gekauft werden können. Von hier aus führte der Weg nach links entlang der Museumsstücke. Hier erkannte ich die Nischen und Mauern, in denen in meinem Traum die Portraits der Menschheit hingen. 

Wie ich durch dieses Gebäude lief, drängte es mich mehr und mehr, „mein“ Museum Wirklichkeit werden zu lassen. Heimlich hängte ich dort die Porträts aus meinem „Projekt Menschheit“ auf und gab ihnen so eine Bühne. An den verfallenen Wänden hingen die Porträts einiger gebrochener Menschen, die trotz allem Würde und Schönheit ausstrahlten. Die Portraits zeigten Personen unter anderem aus Syrien, Calais, Madagaskar, Ecuador und Zaandam. Das half mir, einen ersten Eindruck eines „Museums der Menschheit“ zu bekommen.

“All the beauty that’s been lost before wants to find us again.”
U2


Vom Traum zur Wirklichkeit
Das Gebäude aus meinem Traum wurde mittlerweile von der Stadt saniert und soll anderweitig verwendet werden. Doch ich habe auf dem selben Fabrikgelände nun nach Gesprächen mit den Eigentümern ABC Planontwikkeling B.V. meine eigenen Räume für ein Museum erhalten können. 
Das Museum ist nun Wirklichkeit.
Wenn Du es besuchen möchtest, findest Du Adresse und Öffnungszeiten unter „Besuche das Museum“ auf dieser Internetseite.